Mittlerweile haben zahlreiche Medien über das berüchtigte Saidnaja-Gefängnis berichtet (u.a. der SPIEGEL am 9. und 12.12., die ZEIT am 12.12., die New York Times am 11.12., außerdem auch - sehr lesenswert - die HNA/WLZ am 11.12.):
Mutmaßlich seien dort jeden Tag Dutzende Menschen (50 bis 100) ermordet worden, oft gehängt - und anschließend in den Bergen oder der Wüste verscharrt worden. Früher habe es wohl auch eine "Menschenpresse" gegeben, die lebende oder tote Menschen hydraulisch zerquetscht habe, um deren Überreste anschließend verbrennen oder in Säure auflösen zu können.
Das heißt, dass viele Zehntausend geliebte Menschen, die noch in den Gefängnissen - in unterirdischen Zellen - vermutet worden sind, höchstwahrscheinlich nicht mehr am Leben sind. Es gibt keine Gräber oder Gedenkstätten, an eine unabhängige historisch-kritische Aufarbeitung ist aktuell - zwei Wochen nach Ende der Diktatur - natürlich auch noch nicht zu denken.
Fußnote: Dies wäre durchaus eine Aufgabe für die deutsche Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, hier dem syrischen Volk unterstützend zur Seite zu stehen. Die Syrerinnen und Syrer, sofern sie nun hoffentlich in eine ungezwungenere Zukunft blicken, brauchen vielleicht auch bald Aufarbeitungskommissionen und -Institutionen.
Gleichzeitig freut sich zumindest die große sunnitische Mehrheit der syrischen Volkes über den Machtwechsel, was sich in gefüllten Plätzen nach den Freitagsgebeten am 13. und 20.12. gezeigt hat. Hier herrschte offenbar ausgelassene Stimmung. Immer wieder tauchen Bilder von Frauen auf, die ohne Kopfbedeckung auf der Straße unterwegs sind.
Jamel Alhasan hat binnen weniger Wochen nicht nur seine Follower-Zahl auf Instagram mehr als verdoppelt (auf nun weit über eine Millionen), sondern scheint auch "live", ohne Kamera, gut bei den Syrerinnen und Syrern anzukommen (siehe Titel-Foto, 13.12.2024, Damaskus). Er spricht zu Zehntausenden und vergleicht die verschiedenen syrischen Völker und Kulturen mit den Fingern einer Hand, die sich nun wieder vereinen müssten (Anmerkung: Wir hoffen, dass dies alles ohne Gewalt zwischen Sunniten, Kurden und anderen vonstatten geht).
Außerdem zeigen wir hier zwei Bilder von befreiten Folter-Opfern aus Saidnaja. Jamels Freund und Kollege Hadi Al-Abdullah erläutert hier das Schicksal eines Mannes, dem in Gefangenschaft von Mithäftlingen die Zunge herausgeschnitten worden sei. Auf dem anderen Foto ist eine Frau zu sehen, die offenbar schwer gefoltert worden ist, da sie eine stark verkrampfte Haltung einnimmt und, so Rima H., komplett "unbrained" aufgefunden worden sei, also völlig unfähig, sich zu orientieren oder zu kommunizieren. Das zukünftige Syrien wird mit Tausenden solcher Schicksale konfrontiert werden - es wäre gut zu wissen, dass es damit nicht allein ist.
Wir von RIMA e.V. haben schon begonnen, Spenden vor allem für die nun befreiten Menschen und ihre Angehörigen zu sammeln.


